Latemar – Östliche Latemarspitze (2800m)
Letzte Woche hatten mein Arbeitskollege, und nun zum zweiten Mal Begleiter im Berg, Marco einen Plan: Am Freitag Abend wollten wir zum Biwak des Latemar wandern, um 2:00 dort sein, ein Bierchen trinken, ein paar Stündchen schlafen und am Morgen den Sonnenaufgang genießen. Nach einer Runde auf weiteren Latemarspitzen wollten wir gegen 13:00 – 14:00 zurück im Tal sein. Und so verlief die Nacht vom Freitag auf den Samstag wirklich:
Nach einem angenehmen Pizzaessen mit Petra traf ich mich mit Marco um 22:00 in Frangart. Von hier aus fuhren wir mit dem Auto zum Karer Pass (er trennt Südtirol vom Trentino.

Dort starteten wir um 23:00 Richtung Latemar. Der Latemar ist eine Gebirgsketten südlich des Rosengartens. Dies sollte meine erste bergsteigerische Erfahrung im Dolomitgestein werden. Und sie wurde es auch. Nun, wir starteten also jeweils mit etwa 13kg Gepäck auf dem Rücken (durch die geplante kurze Wanderzeit haben wir nicht auf leichtes Gepäck geachtet, so hatten wir Schlafsäcke mit, warme Sachen, zwei Liter Bier, Gaskocher und Espressomaschine und, wie wir später herausfanden, viel zu viel zum Essen) aufwärts. Wir gingen einer Straße entlang, die von Baggern planiert war, da unter dem Latemar ein Schilift gebaut (oder erneuert) wurde. Somit sahen wir auch nicht den Hinweiser, der zum Steig 18 führte, weil dieser durch die Bauarbeiten abmontiert wurde. So folgten wir dem Steig 17, laut Karte führteein Weg links um den Latemarstock herum auf die andere Seite und von dort zum Biwak. Wir fanden den Steig nicht, obwohl wir ihn laut Karte vorfinden hätten müssen. Wahrscheinlich haben wir ihn in der Dunkelheit nicht gesehen, die Stirnlampen bieten auch nur begrenztes Licht. So stiegen wir auf den ersten hoch erscheindenen Gipfel, in der Hoffnung, dass der Grat von dort weiter führt zum Latemar. Nach einigen kleineren Klettereien landeten wir somit gegen 2 Uhr morgens auf dem Cima Popa, einer Spitze hinter der Poppekanzel, die bei Tag in 20 Minuten von zweitgenannter aus zu erreichen ist. Nun, an Stelle des Grates fanden wir eine Schlucht vor, typisch für die Dolomitberge, wie mir scheint. Also retour. Auf der Poppekanzel hielten wr kurz an, tranken etwas Tee und aßen Bananen-Schokoriegel. Guter Rat war nicht teuer, so verließen wir die Höhe wieder und marschierten Richtung Tal. Bei etwa 2100m, etwas unterhalb der Bergstation des Schiliftes, querten wir den Wald und trafen wie gewünscht auf den gesuchten Pfad. Nun war es in der Zwischenzeit leider schon etwa 3:30, so konnten wir nicht schlafen gehen, ohne den Sonnenaufgang zu verpassen. Der weiche Waldboden hätte schon zu einem Nickerchen eingeladen. Wir beschlossen also, zumindest auf den ersten Gipfel zu gehen, damit wir den Sonnenaufgang nicht verpassten und somit unser Ziel verfehlt hätten. So folgten wir dem Steig 18 entlang auf den Grat, der obere Teil war zugeschneit und teilweise vereist, aber man konnte sich überall mehr oder weniger gut an den Felsen festhalten. Just, als es anfing über der Bergkulisse gen Südosten hell zu werden, standen wir auf der ersten Spitze. Hier entstanden die ersten Morgensonnebilder. Wir machten nur einige Fotos, dann marschierten wir, mit Hilfe der Tageshelligkeit, zügiger voran Richtung Biwak. Als wir das Gipfelkreuz 100hm oberhalb des Biwaks erreichten, war es 8:15. Statt zweieinhalb waren wir neun Stunden unterwegs. So wollten wir nun auch nicht mehr zum Biwak, zum Schlafen war es eh zu spät, und da nun die Sonne schien, konnte man es auch auf dem Gipfel im Schlafsack aushalten. Dachten wir, denn als wir etwa eine Stunde geschlafen hatten, wachten wir ob unserer kalten Füße auf. Wir schätzten mit 0 bis -2 Grad beim Gipfelkreuz. So machte ich uns den mitgebrachten Kaffee, und wir aßen Briosch, Ei, Brot und Käse zum Frühstück. Die Bier blieben, wie bis zum Schluss der Tour, im Rucksack von Marco. Nach dem Gipfelbucheintrag, ein paar Fotos und dem Genuss des herrlichen Ausblicks auf ‘unser’ Land machten wir uns um 11:00 auf zum Abstieg. Um 13:03 kamen wir am Auto an und freuten uns auf ein Rasterle auf etwas Weichem. Es war zwar ein weiter Weg, aber er hat sich schon wegen dem einzigartigen Sonnenaufgang gelohnt und war ein weiteres schönes Abenteuer in den Bergen. Berg Heil! Fotto gips a.
