Laaser Spitze (auch Orgelspitze, 3305m)

Am Samstag (25.Juli) war ich mit Michl auf der Laaser- oder Orgelspitze. Geplant war allerdings die Hohe Wilde im Pfossental, welche uns aber durch einen Streich von Michaels Handy verwehrt blieb. Das Handy weckte ihn nicht, und so wäre der Schnee auf der Hohen Wilde bei unserer Ankunft bereits zu warm gewesen. Da wir, diesen Umständen entsprechend, genügend Zeit für einen schneefreien Berg hatten, wählten wir die Laaser Spitze. Sie wird auch Orgelspitze genannt, reicht mit ihren 3305m weit Richtung Wolken und bietet einen herrlichen Ausblick über weite Teile des Vinschgaus.

Vom Ifinger bis zum Munpitschn, vom Laaser Ferner bis zur Weißkugel und dem Hasenöhrl sieht man, sofern sich nicht Nebel vor einen drängen, jede Menge Südtirol. 2500 Höhenmeter gab es zu bewältigen, die ersten 1000 davon führten uns am Laaser Marmorbruch vorbei (dessen Marmor wurde unter anderem für 80.000 Grabkreuze für amerikanische Gefallene im Krieg verwendet). Bevor das Tal zu Ende geht, erreicht man die Waldgrenze, von welcher aus man links über eine kuhbevölkerte Weide in das Wasserfalltal einbiegt. Hier beginnt bald einmal freier Querfeldeinlauf, die JBO Markierungen (rosa Striche statt rot-weißer Markierungen) Richtung Schluderjöchl sahen wir nicht, ebenso waren wir nicht imstande, die Kompass Wanderkarte (50:000 Maßstab) richtig zu lesen. Somit landeten wir auf der ersten Scharte links oberhalb des Tales. Jedenfalls bescherte uns dieses Falschgehen ein Naturschauspiel, das ich so noch nie gesehen hatte. Erst sahen Michl und ich einige Gämsen auf dem Berggrat vis-à-vis, als diese aber uns sahen, setzten sie sich in Bewegung und rannten gratabwärts. Auf dem Grat sah man zuerst nur etwa ein Dutzend der höhenliebenden Tiere, dann schien sich der Berg zu bewegen, als in der ganzen Flanke Gemsen starteten und talabwärts zogen. Wir schätzten an die 80-100 Stück. Atemberaubend. Ab hier begannen wir also, abseits des Weges, den Grat zu erklimmen, zur Linken die Jennwand in Sichtnähe, zur Rechten die ersten Gletscher der Ortlergruppe. Die Nacht über hatte es geschneit, ab 3000Hm begegneten wir auf der Nordseite noch Schneekristallen. Leichte Felskletterei war auf unserem Weg zum Vorgipfel der Orgelspitze auch dabei (für Nachahmer dieser Route gilt natürlich, sich vor losen Steinen in Acht zu nehmen). Nach gut fünf Stunden und 30 Minuten kamen Michl und auf dem Gipfel an. Windströmungen bliesen Nebel vom Tal herauf und nahmen uns somit teilweise die Sicht. Ab und zu konnte man trotzdem den Weitblick rundherum genießen. Nach einer Mahlzeit, dem ich das Provisorium meiner Krone für einen Backenzahn als Tribut zollte (es blieb im Käse stecken, den mir Michl schenkte aber offenbar nicht gönnte ;-) ), machten wir uns auf den Abstieg. Dieser schien besser markiert zu sein, allerdings verliert sich der Weg zwischen Schluderscharte und Laasertal im Geröll, sodass wir über Stein nach unten hasteten. In der Nähe des Marmorbruchs nahmen wir eine Variante des Abstiegs, die  bei einem Wasserfall vorbei führt. So weit ich mich erinnern kann, heißt die Stelle Gurgl. Sollte sich ein Leser in dieser Gegend einmal aufhalten, so ist ein Vorbeischauen bei diesem Ort auf jeden Fall empfehlenswert. Gegen 19:00 saßen Michl und ich in Laas in der Pizzeria Sisinius bei einer wunderbaren Pizza und einem großen Hefe und erfreuten uns an unserem Gipfelerfolg.

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